"I COULD NOT SEE THE SUN FOR MORE THAN TWO YEARS" – A LITTLE BOY IN PRISON/SOLITARY TOLD" WISH THAT NO CHILD HAS TO LIVE IN SHADOW! Photo pebbles foto – Bing images

BR.de TV: Regensburger Domspatzen Schwierige Aufarbeitung des Missbrauchsskandals


Welche Rolle spielte Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Bischof von Regensburg, bei der Aufklärung und Aufarbeitung, fragen sich viele Betroffene | Bild: BR

Regensburger Domspatzen Schwierige Aufarbeitung des Missbrauchsskandals

Es ist einer der größten Missbrauchs- und Misshandlungsfälle in einer katholischen Einrichtung. Sechs Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals stehen die Regensburger Domspatzen deshalb immer noch in den Schlagzeilen. Was ist passiert bei dem weltberühmten Knabenchor und warum hat es so lange gedauert, bis aufgeklärt wird?

Von: Eckhart Querner und Christian Wölfel

Stand: 04.03.2016Bildnachweis

Welche Rolle spielte Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Bischof von Regensburg, bei der Aufklärung und Aufarbeitung, fragen sich viele Betroffene | Bild: BR

„Er setzt sich ans Bett, flüstert, um dir zu sagen, wie toll du seist. Und dann fasst er unter die Bettdecke, berührt dich, zieht dir die Schlafanzughose runter.“ Alexander Probst kann sich noch genau an den Präfekten W. im Internat der Domspatzen erinnern. Anfang der 1970er Jahre kam der damals zehnjährige Probst nach Regensburg. Zuvor hatte er schon zwei Jahre die Vorschule des Knabenchors in Etterzhausen vor den Toren der Stadt besucht. Dort erlebte er wie viele andere Betroffenen ein System der Gewalt und Misshandlung. Peter Schmitt, der ebenfalls Ende der 1960er Jahre in die Vorschule kam, spricht heute von der „schwarzen Pädagogik“ unter Schuldirektor Johann Meier.

“Ich selbst hatte damals ein Trauma, ein Schlüsselerlebnis, was mich bis heute verfolgt: Dass ich gewürgt wurde und zwar so, dass ich gedacht habe, ich erlebe den nächsten Tag nicht.”

Peter Schmitt

Regime der Gewalt in der Vorschule in Etterzhausen

All das wurde bereits im Jahr 2010 offen diskutiert, als der Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland erreichte. Anfang März 2010 versprachen die Verantwortlichen im Bistum Aufklärung und Aufarbeitung. Doch passiert ist offenbar fast nichts, wie Peter Schmitt heute sagt, gerade vor dem Hintergrund ähnlicher Fälle am Berliner Canisius-Kolleg oder im Klosterinternat in Ettal. „Plötzlich ist ein Thema in der Öffentlichkeit, und ich habe das Gefühl, dass dieses Thema in Regensburg gar nicht wahrgenommen wird.“ Auch Alexander Probst, der damals als einer der ersten Betroffenen offen im Fernsehen über seine Erlebnisse spricht, kann im Rückblick keine Aufklärung erkennen.

“Es war ein Abschirmen, ein Abschotten, ein Aussitzen, ein Wegdrücken, ein Verleumden derer, die sowieso schon geschunden waren, sonders gleichen.”

Alexander Probst

Doch dabei hätten die Verantwortlichen längst wissen können, welches Regime der Gewalt in der Vorschule in Etterzhausen herrschte. Schon 1989 berichten ehemalige Schüler wie Peter Schmitt – damals noch anonym – über die Prügelorgien gegen die Kinder. Es gibt große Schlagzeilen in den Zeitungen. Passiert ist damals nichts.

Im März 2015 schießen Opferzahlen in die Höhe

Alexander Probst kam als Achtjähriger zu den Domspatzen. Drei Jahre später, misshandelt und missbraucht, nahm ihn sein Vater von der Schule | Bild: Foto privat

Alexander Probst kam als Achtjähriger zu den Domspatzen. Drei Jahre später, misshandelt und missbraucht, nahm ihn sein Vater von der Schule.

Im Jahr 2015 beauftragt das Bistum Regensburg Anwalt Ulrich Weber damit, die Vergangenheit in Vorschule und Internat aufzuklären. Der Jurist ist der erste Ansprechpartner, dem auch Opfer vertrauen. Während im März 2015 noch von etwa 70 Gewaltopfern die Rede ist, sind es mittlerweile mehr als 230 Fälle körperlicher Misshandlung. So zumindest berichtet es Weber am 8. Januar 2016 in seinem Zwischenbericht. Dazu kommen mindestens 50 Opfer sexuellen Missbrauchs, meist im Internat der Domspatzen in Regensburg. Warum konnte dies alles nicht im Jahr 2010 ermittelt werden, fragen sich nicht nur Betroffene. Was wusste der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI.? Und welche Rolle spielte der ehemalige Bischof von Regensburg, der heutige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller?

Immerhin, sein Nachfolger auf dem Regensburger Bischofsstuhl, Rudolf Voderholzer, scheint das Vertrauen der Betroffenen wie Peter Schmitt oder Alexander Probst zu genießen. Am 24. Januar 2016 räumt der Oberhirte in einer Predigt ein, dass „die in der Vergangenheit immer wieder unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam“ gewesen seien. Und er stellt klar, dass es keine Rechtfertigung für die Taten gibt.

“Die Zeitbedingtheit der Pädagogik, die hin und wieder verteidigend ins Feld geführt wird, rechtfertigt in keiner Weise die Exzesse körperlicher Züchtigung, wie wir sie beklagen müssen, und erst recht nicht die Fälle sexueller Gewalt, die zutage getreten sind!”

Bischof Rudolf Voderholzer

Die Wunden sitzen tief

Seit Anfang Februar nun sitzen Betroffene mit dem Bischof und den Domspatzen-Verantwortlichen in einem Kuratorium zusammen. Die ersten Gespräche lassen hoffen, dass nun – sechs Jahre danach – die Aufarbeitung gelingt. Eine Garantie dafür gibt es aber noch nicht, die Wunden sitzen tief. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Betroffenen wirklich anerkannt werden.

Advertisements

8 responses

  1. Reblogged this on HumansinShadow.wordpress.com.

    March 9, 2016 at 10:13 am

  2. Danke für den Beitrag! Beachtlich und schon wieder eine Täuschungshandlung dieser Diözese: Die Täter mißbrauchten nicht nur in der Einrichtung, sondern waren auch an anderen Einrichtungen tätig, und mit Fahrzeugen ausgestattet in weiten Teilen der Diözese und darüber hinaus unterwegs. Gerne hätte man die wenigen für sich handelnden Einzeltäter, die ohne Wissen politisch Tätiger handelten. Dabei zeigt sich (leider) immer mehr ein oberpfälzisch-bayerisches, Jahrzehnte betriebenes System Karriere begründenden, zumindest aber Karriere fördernden Wegsehens und Schweigens. Siehe zum Beispiel: http://www.regensburg-digital.de/warum-georg-ratzinger-domkapellmeister-wurde/28032016/

    April 28, 2016 at 11:38 pm

    • Ich habe mit der Katholischen Kirche ebenfalls übelste Erfahrungen gemacht; nicht am “eigenen Leibe”, aber an meiner Seele: als Pädag. Leiterin am Berufsbildungswerk St. Franziskus in Abensberg. Die Ent- und Aufdeckung der sexuellen Gewaltakte an behinderten Kindern und Jugendlichen – ein Alptraum – … später vielleicht mehr – ES nimmt mich immer noch so sehr mit, dass ich nur kurze Zeit darüber sprechen oder schreiben oder mich aufhalten kann – ähnlich eines Aufenthalts in Tschernobyl – Danke für Ihre Zeilen und den Link: Annamaria Curi56Blog

      April 29, 2016 at 12:01 pm

      • Hallo Annamaria,

        Oh, sorry, jetzt habe ich umsonst in Englisch geantwortet. Hoffe es nervt nicht zu sehr. 😉
        Mir gehts persönlich genauso wie Ihnen. Ich war im Priesterseminar Regensburg, wohin ich nach dem sog. “Freijahr” nicht mehr zurück durfte weil ich mich erdreistete ein Parallelstudium Jus zu beginnen. Über die Jahre wurde immer klarer, dass mir die bischöfl. Erlaubnis an die Gregoriana zu wechseln – Erlaubnis dieser Uni lag längst vor – versagt wurde, weil ich dann über diese mir bislang unbekannten Dinge, vor allem bzgl. dieses Pädofilen Georg Friedrich Zimmermann und die Bezüge zu den beiden Ratzinger-Brüdern erfahren hätte.
        LG mwz

        April 29, 2016 at 3:23 pm

      • Nix nervt, alles gut! Ich sehe mehr von der Welt, wenn ich in Englisch schreibe; ich meine diese Welt, über die ich hier schreibe.
        Was mich sehr bewegt, dass über die sexuelle Gewalt, die Kindern unter Obhut von Priestern angetan wurde/wird, und das hier bei den Domspatzen, in allen großen Online-News berichtet wurde. Wenn Sie diesen Blog durchsehen, werden Sie finden, dass es enorm schwere und häufige sexuelle Gewalttaten an Kindern in UK, Australien, USA usw. gibt; darüber wird in den jeweiligen Ländern durchaus berichtet. Zu uns gelangen diese Berichte nicht.
        Es ist unglaublich, wieviele Vergewaltigungen von Kindern von Autoritätspersonen der Kirche, der Politik, der Unis, begangen werden.
        Bischöfe, Dekane und Professoren von Erziehungswissenschaftlichen Fakultäten usw. vergehen sich an Kindern. In den UK gibt es regelrechts Gangs, die Kinder aufgreifen und sie an Reiche und Mächtige verkaufen. Reden wir von Satanismus auch …
        Das erfahre ich über das Bloggen, die Tragweite dieser Gräueltaten. Und ich lerne, dass dies ein Weg ist, um auf die “Seuche” der Kindesschändung aufmerksam zu machen.
        Entschuldigen Sie bitte, wenn ich ein wenig holprig schreibe, aber es geht mir sehr nahe…
        Ich hätte auch noch einige oder viele Fragen an Sie, bleiben wir einfach in Verbindung.
        Das Leben ist so spannend…
        Ihre Annamaria Grabowski

        April 29, 2016 at 7:04 pm

      • Hello, thank you very much for the link!
        This “Lawyer Ulrich Weber spoke last year on behalf of the diocese with those involved. He could also consult secret archives. Weber fears that the actual number of victims is even higher.” i have to laugh out loud. I wrote to the lawyer FOUR TIMES, but got no answer about his using of the secret archives. He will never use all the secret archives. Greetings, mwz

        April 29, 2016 at 3:19 pm

      • alles gut, ich schreibe meine Blogs in Englisch, das “lebt” mehr

        April 29, 2016 at 7:04 pm

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s