15-jähriges Flüchtlingsmädchen in Kamerun: Dieses 15-jährige Flüchtlingsmädchen aus Nigeria wurde laut Unicef von Boko Haram verschleppt und später befreit. Es lebt mit seiner Familie in einem Flüchtlingslager in Kamerun.© Bereitgestellt von AFP

Dieses 15-jährige Flüchtlingsmädchen aus Nigeria wurde laut Unicef von Boko Haram verschleppt und später befreit. Es lebt mit seiner Familie in einem Flüchtlingslager in Kamerun.

Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram missbraucht immer mehr Kinder als Selbstmordattentäter. Wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Dienstag mitteilte, sprengten sich in Nigeria und den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger im vergangenen Jahr 44 Minderjährige in die Luft. Im Jahr zuvor waren es nur vier gewesen. Mehr als drei Viertel der Selbstmordanschläge wurden demnach von Mädchen verübt – die jüngsten waren erst acht Jahre alt.

“Um es ganz klar zu sagen: Diese Kinder sind Opfer, nicht Täter”, erklärte der Unicef-Regionaldirektor für West- und Zentralafrika, Manuel Fontaine. Kinder zu täuschen und sie zu tödlichen Angriffen zu zwingen, sei ein “besonders grausamer Aspekt der Gewalt” in Nigeria und seinen Nachbarländern.

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Staats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 17.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, mehr als 2,5 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben. Der Konflikt weitete sich mittlerweile auch auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger aus, die sich am Kampf gegen Boko Haram beteiligen.

Der kalkulierte Einsatz von Kindern, die laut Unicef zum Tragen von Sprengstoffgürteln überredet oder gezwungen werden, habe in den betroffenen Ländern zu einer Atmosphäre der Angst und des Misstrauens geführt, erklärt das Kinderhilfswerk in dem Bericht “Beyond Chibok”, der kurz vor dem zweiten Jahrestag der Verschleppung von 276 Mädchen aus der Stadt Chibok veröffentlicht wurde.

“Seit Selbstmordanschläge unter Beteiligung von Kindern sich häufen, haben die Menschen in manchen Gemeinden begonnen, Kinder als Sicherheitsrisiko zu sehen”, erklärte Fontaine, der vor “zersetzenden Folgen” für die Gesellschaft warnte. Unter diesem Misstrauen leiden demnach auch überlebende Mädchen, die der Gefangenschaft und sexuellen Gewalt durch Mitglieder von Boko Haram entkommen konnten.

Ein 17-jähriges Entführungsopfer berichtete Unicef zum Beispiel, dass ihr monatelanges Leid mit der Befreiung nicht zu Ende gewesen sei: Im Flüchtlingslager sei sie als Boko-Haram-Frau beschimpft worden, andere Frauen hätten nicht einmal die Wasserstelle mit ihr teilen wollen. Auch Kinder, die nach Vergewaltigungen geboren werden, werden nach Angaben von Unicef in Dörfern und Flüchtlingslagern häufig stigmatisiert und ausgegrenzt.

Die Entführung der Schülerinnen aus Chibok hatte vor zwei Jahren weltweit für Entsetzen gesorgt. Am 14. April 2014 hatten Boko-Haram-Kämpfer eine Schule in Chibok überfallen und 276 Mädchen verschleppt. Einige Dutzend konnten später fliehen. Von den übrigen Mädchen gibt es kein Lebenszeichen mehr. …

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